Zwölf Laborwerte. Alle einwandfrei. Und ich saß um Viertel vor vier auf der Bettkante und dachte: Die Werte sind in Ordnung — ich bin es nicht. Und ich wusste wirklich nicht, ob es dazu etwas anderes gibt als: aushalten.
Es ist immer die gleiche Uhrzeit. Das ist das Verrückteste daran.
3:47. Manchmal 3:52. Ich wache nicht langsam auf. Ich bin einfach wach — schlagartig, als hätte jemand das Licht angeknipst. Der Nacken feucht. Ein Herzschlag, der zu schnell ist für einen Menschen, der gerade nichts tut. Und dieses Gefühl unter der Haut, für das ich lange kein Wort hatte.
Wie Feuer. Nicht heiß wie Fieber. Eher wie etwas, das brennt und nicht weiß, wohin.
Neben mir schläft mein Mann. Seit 26 Jahren schläft dieser Mann durch, egal was passiert. Ich habe ihn im Dunkeln angesehen und ihn beneidet.
Und ja — ich war wütend. Auf ihn, völlig zu Unrecht, dafür dass er einfach schlafen kann. Und auf das Ganze. Darauf, dass mir niemand sagen konnte, warum ich es nicht mehr kann.
Dann stehe ich auf. Gehe in die Küche. Trinke Wasser im Dunkeln. Und irgendwann zwischen halb fünf und sechs schlafe ich nochmal ein — genau rechtzeitig, damit der Wecker mich aus der einzigen tiefen Phase der Nacht reißt.
Das ging so. Vierzehn Monate lang.
Irgendwann bin ich zu meiner Hausärztin. Großes Blutbild, Schilddrüse, Eisen, Vitamin D, Entzündungswerte. Alles.
Zwei Wochen später saß ich in ihrem Sprechzimmer und sie sagte den Satz, den ich seitdem von jeder zweiten Frau in meinem Alter gehört habe:
„Frau Kranz, Ihre Werte sind alle völlig in Ordnung."
Und dann, freundlich, mit diesem beruhigenden Lächeln: „Das ist das Alter. Wechseljahre. Das geht vorbei."
Ich saß da und wusste nicht, was ich sagen sollte. Denn ich war ja nicht krank. Ich hatte keine Diagnose. Ich hatte nichts, was man behandeln könnte.
Ich hatte nur mein ganzes Leben verloren, wie es sich anfühlte.
Und wenn du das kennst, dann weißt du auch das hier: Wenn alle Werte in Ordnung sind und du dich trotzdem fremd im eigenen Körper fühlst, dann fängst du irgendwann an, an dir selbst zu zweifeln. Vielleicht bin ich einfach empfindlich. Vielleicht stelle ich mich an. Vielleicht ist das jetzt einfach so.
Das ist der eigentliche Schaden. Nicht der Schlaf. Das Misstrauen gegen die eigene Wahrnehmung.
Als ich anfing zu recherchieren, tippte ich drei Stichworte ins Netz — und rutschte binnen Sekunden in eine Schublade. Denn dort gibt es nur eine einzige Frage: Bist du drin oder bist du schon durch?
Ich habe monatelang versucht, diese Frage zu beantworten. Ich habe gerechnet, verglichen, mich mit Frauen unterhalten, um herauszufinden, ob ich dazugehöre.
Das war der Fehler. Ich habe ein Wort darüber entscheiden lassen, ob ich dieses Problem überhaupt haben darf.
Denn dieses Denken hat ein Problem:
Der Körper hält sich nicht an das Etikett, das man ihm gibt. Ich kenne Frauen, bei denen es mit 45 losging, während ihre Ärztin sagte, dafür seien sie zu jung. Ich kenne Frauen, denen man mit 58 sagte, das sei „doch längst durch" — und die trotzdem seit sechs Jahren nicht durchschlafen. Ich kenne Frauen ohne Gebärmutter und Frauen, die Hormone nehmen, und beide sitzen nachts um vier in der Küche.
Wenn du irgendwo zwischen Mitte vierzig und Mitte sechzig bist, dann ist die Frage nicht, in welcher Phase du steckst oder ob ein Arzt dir dafür einen Namen gegeben hat.
Die Frage ist nur: Erkennst du dich in diesen fünf Sätzen wieder?
— Du wachst nachts zwischen eins und vier auf. Nicht langsam. Schlagartig.
— Du bist erschöpft und gleichzeitig innerlich unruhig. Zu müde zum Aufstehen, zu wach zum Schlafen.
— Eine Hitze, die von innen kommt, nicht von außen.
— Eine Gereiztheit, die dir selbst am unangenehmsten ist. Du hörst dich reden und denkst: So bin ich doch nicht.
— Und beim Arzt: alles in Ordnung. Jedes Mal.
Wenn du bei drei von fünf genickt hast, dann geht es hier um dich — egal, was in deinem Ausweis steht und egal, was dir jemand über deine Phase gesagt hat.
Und noch etwas, das ich erst sehr spät verstanden habe:
Diese Beschwerden fangen an keinem bestimmten Geburtstag an. Und sie hören an keinem bestimmten Geburtstag auf.
Sie kommen allmählich — und weil sie allmählich kommen, halten wir sie für „einfach so". Für schlechten Schlaf. Für Stress. Für zu viel Arbeit. Und sie hören auf, wenn das System, das sich umstellt, mit der Umstellung fertig ist. Bei manchen dauert das drei Jahre. Bei manchen zwölf.
Und dann ist da noch etwas, das ich nirgends erwartet hätte:
Das hat gar nichts mit Frau oder Mann zu tun. Es sieht nur anders aus. Männer schlafen genauso schlecht, sind genauso gereizt, genauso erschöpft — sie nennen es nur nicht so und gehen seltener damit zum Arzt. Jeder Mensch kommt an den Punkt, an dem sein System umschaltet. Der Unterschied ist nur, dass es bei uns einen Namen bekommen hat — und mit dem Namen leider auch eine Schublade.
Das hat für mich sehr viel Druck herausgenommen. Es ist nichts, was mit mir als Frau schiefgelaufen ist. Es ist etwas, das mit Menschen passiert.
Nur: Um Viertel vor vier half mir das alles nicht weiter. Ich wollte einfach wieder schlafen.
Ich bin Journalistin. Recherchieren ist mein Beruf. Also habe ich recherchiert — und dabei ziemlich viel Geld ausgegeben.
Der naheliegendste Gedanke überhaupt: im Netz nachschauen, was einem fehlt — und dann genau das kaufen.
Magnesium-Brausetabletten. Die günstigen, orange, 500 mg. Nach vier Tagen Durchfall. Ich habe es trotzdem drei Wochen weiterprobiert, weil überall stand, Magnesium sei gut für den Schlaf. Der Schlaf blieb, wie er war. Der Darm nicht.
Dann Baldrian. Dann Nachtkerzenöl. Dann Rotklee, weil eine Kollegin schwor darauf. Ich hatte irgendwann fünf verschiedene Dosen im Küchenschrank stehen, die alle nichts miteinander zu tun hatten, und keine Ahnung, welche davon eigentlich was tun sollte.
Kein Kaffee nach 14 Uhr. Handy aus dem Schlafzimmer. Abends Yoga-Video. Schlaf-App, die mir jeden Morgen einen Wert zwischen 42 und 58 anzeigte und mir damit exakt das bestätigte, was ich sowieso schon wusste.
Nach sechs Wochen war ich diszipliniert, freudlos und immer noch um 3:47 wach.
Und dann kam der Punkt, an dem ich das mit der Disziplin endgültig abgehakt habe.
Ich habe eine Freundin, die kenne ich seit dem Kindergarten. Sie ist der disziplinierteste Mensch, den ich kenne — und das war sie schon mit zwanzig. Sie steht seit dreißig Jahren um sechs auf. Sie hat nie geraucht. Sie trinkt zwei Gläser Wein im Jahr. Sie läuft dreimal die Woche, bei jedem Wetter.
Sie sitzt seit anderthalb Jahren nachts um vier in ihrer Küche. Genau wie ich.
Da wusste ich: Es liegt nicht daran, dass ich mich nicht genug zusammenreiße.
Gynäkologin. Gespräch über Hormonersatztherapie. Sie war gut, sie hat sich Zeit genommen, sie hat mir die Vor- und Nachteile erklärt. Und am Ende sagte sie etwas Ehrliches: „Sie haben keine schweren Hitzewallungen. Sie haben keine Osteoporose-Risiken. Ich würde bei Ihnen nicht anfangen."
Also war ich für die Medizin nicht krank genug, um behandelt zu werden — aber krank genug, um vierzehn Monate lang nicht durchzuschlafen.
Irgendwo dazwischen fallen sehr viele Frauen durch.
Es war im Februar, bei einem Redaktionstermin in Köln. Mittagspause, wir standen mit Kaffee im Foyer. Susanne, 56, kenne ich seit zwölf Jahren. Und mir fiel auf: Sie sah ausgeruht aus.
Das klingt banal. Es war es nicht. Susanne hatte zwei Jahre lang genau das, was ich hatte. Wir hatten uns darüber ausgetauscht, mehr als einmal, mit dieser gewissen Bitterkeit von Frauen, die wissen, dass niemand sie ernst nimmt.
Und jetzt stand sie da und war einfach... wieder da.
Ich habe gefragt. Direkt. „Was machst du?"
Und sie sagte:
„Ich habe aufgehört, es reparieren zu wollen."
Ich weiß noch, dass ich innerlich die Augen verdreht habe. Ich dachte: Bitte nicht. Bitte jetzt nicht Achtsamkeit und Selbstliebe und annehmen, was ist.
Susanne muss mir das angesehen haben. Sie sah mich an und musste sich sichtlich das Lachen verkneifen.
„Keine Sorge. Nicht Achtsamkeit und Im-Hier-und-Jetzt-Sein und dieser ganze esoterische Kram. Das ist Massage für den Kopf. Fühlt sich gut an, passiert aber nichts. Für seinen Körper muss man schon selbst etwas tun."
Susanne war nämlich gar nicht wegen ihrer Nächte bei einem Arzt gewesen.
Sie war beim Hautarzt. Wegen ihrer Haut. Ein Mediziner, von dem ich noch nie gehört hatte — westlich ausgebildet, und seit über zwanzig Jahren arbeitet er zusätzlich in der chinesischen Tradition.
Sie wollte eigentlich nur wissen, welche Creme sie nehmen soll.
Und dann fragte sie ihn, mehr aus einer Laune heraus, ob es so etwas wie Hautpflege von innen gäbe. Zum Einnehmen.
Seine Antwort fand ich großartig, als sie sie mir erzählte:
„Aberglauben gibt es im Westen wie im Osten. Sparen Sie sich die teuren Proteine — Ihr Darm nimmt sie ohnehin nicht so auf, wie es auf der Packung steht."
„Wenn Sie wirklich etwas von innen heraus wollen: essen Sie über den Tag ausgewogen und gehen Sie öfter nach draußen. Das war's."
Er hat ihr abgeraten.
Ich glaube, das ist der Moment, an dem Susanne ihm zu vertrauen begann. Und deshalb hat sie dann angefangen, ihm auch von den Nächten zu erzählen. Von diesem Aufwachen. Von dem Gefühl, morgens nicht in Gang zu kommen. Und sie sagte zu ihm — und das kenne ich so gut, dass es fast wehtut:
„Ob von außen drauf oder von innen rein — ich muss doch irgendetwas tun."
Und er antwortete:
„Das ist der Klassiker. Sie wissen nicht, was mit Ihnen los ist — also kaufen Sie alles. Das ist kein Handeln. Das ist Umsichschlagen."
„Finden Sie doch erst einmal heraus, in welchem Zustand Ihr Körper überhaupt ist. Danach reden wir weiter."
Und dann zeigte er ihr einen kurzen Fragebogen auf seiner Seite. Welche Beschwerden. Welcher Typ. In welchem Zustand.
Susanne sagte, es sei gewesen, als hätte jemand eine Tür aufgeschlossen, von der sie gar nicht wusste, dass sie da ist.
Denn der Satz, den Susanne aus diesem Termin mitgenommen hat, war dieser:
Was in Ihnen passiert, ist kein Defekt, der repariert werden muss. Es ist ein Übergang, der begleitet werden will. Das ist ein Unterschied — und er entscheidet darüber, was Sie tun.
Ich fand das erstmal nur nett gesagt. Bis ich verstanden habe, worauf es sich stützt.
Es gibt in China einen medizinischen Text, der ungefähr so alt ist wie das Neue Testament: das Huangdi Neijing, der „Innere Klassiker des Gelben Kaisers". Er gilt als das Fundament der gesamten chinesischen Medizin.
Und gleich in einem der ersten Kapitel steht etwas, das mich beim ersten Lesen wirklich still gemacht hat.
Dort wird das Leben einer Frau in Sieben-Jahres-Takten beschrieben.
| Alter | Was der Text beschreibt |
|---|---|
| 7 | Die Zähne wechseln, das Haar wird kräftig |
| 14 | Die Fruchtbarkeit beginnt |
| 21 | Der Körper ist ausgereift |
| 28 | Der Höhepunkt der körperlichen Kraft |
| 35 | Das Gesicht beginnt sich zu verändern |
| 42 | Die Wandlung wird sichtbar, das Haar beginnt zu ergrauen |
| 49 | 7 × 7 — der Übergang beginnt. Die Fruchtbarkeit endet. |
| — hier endet der überlieferte Text — | |
| 56 | 8 × 7 — der Takt läuft weiter |
| 63 | 9 × 7 — und weiter |
Sieben mal sieben. Neunundvierzig.
Ich saß vor diesem Text und habe zweimal nachgerechnet, wie alt ich war, als es angefangen hat.
Ich war 51. Meine Schwester war 46. Susanne war 54. Meine Mutter, sagt sie, war „so um die fünfzig".
Jemand hat das vor zweitausend Jahren aufgeschrieben. Ohne Labor. Ohne Hormonwert. Einfach, weil er über Generationen hinweg beobachtet hat, in welchem Takt sich der Körper einer Frau verändert.
Bei 7 × 7 hört der Text auf.
Nicht, weil danach nichts mehr passiert. Sondern weil er beschreibt, wann etwas anfängt — nicht, wie lange es dauert.
Der nächste Takt wäre 56. Der übernächste 63. Der Rhythmus läuft weiter, auch wenn ihn niemand mehr aufgeschrieben hat.
Der Text beschreibt den Beginn eines Übergangs. Er sagt mit keinem einzigen Wort, wann dieser Übergang aufhört.
Übrigens — und das fand ich erst richtig überzeugend: Derselbe Klassiker beschreibt auch das Leben eines Mannes. Nur nicht im Takt der Sieben, sondern im Takt der Acht: 8, 16, 24 … bis 8 × 8, also 64. Andere Zahl, gleiches Prinzip.
Es ist also keine Frauenkrankheit. Es ist ein menschlicher Takt, der bei uns nur früher einsetzt und deutlicher zu spüren ist.
Das ist kein Detail — das ist der Grund, warum so viele Frauen zwischen den Stühlen sitzen. Die Zahl 49 ist keine Frist und kein Ablaufdatum. Sie ist ein Schwellenwert, um den herum etwas anfängt. Ob bei dir mit 45 oder mit 53, ob es nach vier Jahren ruhiger wird oder nach zehn — das steht nirgends. Weil es individuell ist.
Deshalb ist „Bin ich noch drin oder schon durch?" die falsche Frage. Der Takt beschreibt eine Richtung, keinen Stichtag. Und ein System, das sich umstellt, braucht Versorgung, solange die Umstellung läuft — nicht bis zu einem Geburtstag.
Und jetzt kommt der Punkt, an dem sich für mich etwas gedreht hat.
Die westliche Sicht auf diese Jahre ist eine Mangel-Erzählung: Dir fehlt etwas. Ein Wert ist zu niedrig. Wir gleichen ihn aus oder wir gleichen ihn nicht aus. Und wenn kein Wert auffällig ist, gibt es auch nichts auszugleichen — dann bist du eben gesund und musst damit leben.
Die chinesische Sicht ist eine Übergangs-Erzählung: Dein System stellt sich um. Es war 35 Jahre lang auf eine Aufgabe eingerichtet, die jetzt endet. Und wie jedes System, das umgestellt wird, braucht es in dieser Phase mehr, nicht weniger.
Das ist kein esoterischer Unterschied. Das ist ein praktischer.
Denn wenn du kaputt bist, brauchst du eine Reparatur — und wenn es keine gibt, hast du Pech gehabt. Das war der Punkt, an dem ich vierzehn Monate lang feststeckte.
Wenn du aber in einem Übergang bist, brauchst du Versorgung. Und Versorgung ist etwas, das man tatsächlich tun kann. Jeden Tag. Ohne Rezept. Ohne krank zu sein.
Der Fragebogen, den Susanne erwähnt hatte, ordnet dich einem von fünf Zuständen zu. Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser. Keine Sternzeichen, keine Schicksalsdeutung — eine Beschreibung davon, in welchem Zustand du gerade bist.
Ich habe ihn ausgefüllt. Zwölf Fragen, zwei Minuten. Und bekam: Feuer.
Nächtliches Erwachen zwischen 1 und 4 Uhr. Hitze, die von innen kommt, nicht von außen. Ein Herz, das schneller schlägt, ohne Grund. Innere Unruhe bei äußerlicher Erschöpfung — zu müde zum Aufstehen, zu wach zum Schlafen. Reizbarkeit, die einem selbst am meisten peinlich ist. Und Tränen an Stellen, wo früher keine waren.
Feuer ist nicht zu viel Energie. Feuer ist Energie, die keinen Ort mehr hat.
Ich musste aufhören zu lesen. Ich stand auf und lief einmal durchs Zimmer.
Ich war — ich kann es nicht anders sagen — vollkommen aufgewühlt.
Vierzehn Monate lang hatte mir niemand beschrieben, was ich fühlte. Ich hatte immer nur beschrieben — meiner Ärztin, meinem Mann, mir selbst — und niemand hatte es zurückgespiegelt.
Und jetzt las ich einen Text, der es besser wusste als ich.
Es ist übrigens kein Zufall, dass so viele Frauen in diesen Jahren bei „Feuer" landen. Die Kombination aus Hitze, Unruhe und Schlaflosigkeit ist in der chinesischen Systematik der klassische Ausdruck dieser Umstellung. Wir sind nicht wenige. Wir sind sehr viele.
Dieses System fragt gar nicht nach deinem Geburtsjahr.
Es fragt: Was macht dein Körper gerade? Der Takt der Sieben beschreibt, wann so eine Umstellung typischerweise anfängt — aber welcher Zustand bei dir gerade herrscht, wird nicht aus einer Zahl abgelesen. Sondern aus dem, was tatsächlich passiert.
Und dann wurde mir klar, worauf dieses ganze Denken eigentlich aufgebaut ist. Nicht auf einem Kalender. Nicht auf Jahrgängen.
Es ist auf Rhythmen gebaut. Auf Jahreszeiten. Auf Zyklen. Auf das, was sich ohnehin bewegt und was kein Mensch aufhalten kann. Der Mensch ist darin nicht die Ausnahme von der Natur — er ist ein Teil davon, mit demselben Takt wie alles andere auch.
Und dann fiel mir etwas auf, das ich beim Ausfüllen noch überlesen hatte.
Der Fragebogen hatte mich gar nicht nach meinem Geburtsjahr gefragt.
Aber er hatte mich gefragt, in welcher Jahreszeit ich geboren bin.
Als ich verstanden hatte, warum, war der letzte Rest Zweifel weg.
Zweitausend Jahre. Nicht ein einziges Labor. Und trotzdem genauer, als es zwölf Blutwerte bei mir je waren.
Deshalb fragt dieser Zustand auch nicht nach deinem Jahrgang. Susanne war 54, als sie ihn zum ersten Mal beschrieben bekam. Eine Leserin, die mir nach meinem letzten Artikel geschrieben hat, ist 61 und lebt seit acht Jahren damit. Eine andere ist 46 und hat sich lange nicht getraut, es anzusprechen, weil sie dachte, dafür sei sie noch zu jung.
Feuer hat keinen Stichtag. Feuer hat einen Zustand.
Falls du dich gerade fragst, was bei dir herauskommt: Es ist derselbe Fragebogen, den Susanne mir gezeigt hat. Zwölf Fragen, etwa zwei Minuten, keine Kosten, keine Bestellung. Am Ende steht, in welchem Zustand du gerade bist — und warum die Jahreszeit gefragt wird.
Zum Fünf-Elemente-Fragebogen → (öffnet sich in einem neuen Tab, dieser Artikel bleibt offen)
Musst du aber nicht. Lies ruhig einfach hier weiter — der interessanteste Teil kommt jetzt erst.
Bleibt die Frage, die mich ab hier am meisten interessiert hat: Was genau hat mein Problem denn nun gelöst?
Bis hierhin hatte ich verstanden, was mit mir los ist. Das war für sich genommen schon eine Erleichterung, die ich nicht kleinreden will.
Aber verstehen allein hat mich um Viertel vor vier noch nie schlafen lassen.
Der Arzt, von dem Susanne sprach, heißt Dr. Wei. Seine Seite läuft unter dem Markennamen Dr. Comoi — was mich zugegebenermaßen kurz hat stutzen lassen, weil das nach vielem klingt, nur nicht nach China.
Der Mann dahinter heißt Wei.
Ich habe mich durch seine Texte gelesen. Und damit meine ich ausdrücklich keine Produktseiten.
Auf seiner Seite gibt es eine eigene Rubrik, die schlicht „Wissen" heißt. Dort stehen inzwischen Dutzende Artikel — und was mich daran gepackt hat, ist, dass dort ein Arzt wirklich denkt. Eigene Beobachtungen. Eigene Schlüsse. An einigen Stellen auch eigene Zweifel.
Ich hatte chinesische Medizin bis dahin, ehrlich gesagt, in der Schublade „Esoterik" liegen. Nach ein paar dieser Texte lag sie da nicht mehr.
Man liest dort über die Hochtäler von Minxian. Über die Berge von Pan'an. Darüber, warum guter Suanzaoren ausgerechnet aus Neiqiu kommt. Es gibt einen Text mit dem Titel „Fünf Wurzeln, ein System", der ziemlich gründlich mit der Vorstellung aufräumt, ein einzelner Inhaltsstoff könne für irgendetwas gut sein — was für jemanden, der Nahrungsergänzung verkauft, eine erstaunlich unbequeme Position ist.
Und einer heißt: „Wie ein Londoner Architekturhistoriker mir den Himmelstempel zeigte."
Ich habe an diesem Abend über zwei Stunden auf dieser Seite verbracht. Bestellt habe ich nichts. Ich habe gelesen.
(Übrigens stammt auch das mit der Sieben von dort. Ich hatte den Artikel gelesen, lange bevor ich wusste, dass es dazu überhaupt ein Produkt gibt. Wer nachsehen will: drcomoi.de/wissen — es lohnt sich, aber lies ruhig erst hier zu Ende.)
Er nennt sich selbst „ein Arzt zwischen zwei Sprachen". Nachdem ich eine Weile gelesen hatte, fand ich, dass das ziemlich genau stimmt — und zwar in mehr als einer Hinsicht.
Und was er über die zwei zentralen Wurzeln schreibt, ist das Interessanteste, was ich in dieser ganzen Recherche gefunden habe.
當歸 — Danggui. Wörtlich übersetzt bedeutet das:
„Sollte zurückkehren."
Ich habe das dreimal gelesen. Der Name dieser Wurzel ist ein Satz. Und zwar genau der Satz, den ich vierzehn Monate lang nicht formulieren konnte.
Danggui ist in China nicht irgendein Kraut. Sie gilt als die Frauenwurzel — in den klassischen Texten wird sie als das wichtigste Mittel der Frauenheilkunde geführt. Sie steht bereits im Shennong Bencao Jing, dem ältesten überlieferten Arzneibuch Chinas, das etwa aus dem 2. Jahrhundert stammt.
Nicht seit zehn Jahren. Nicht seit einer Studie. Seit ungefähr achtzehnhundert Jahren.
Und hier wurde es für mich richtig einleuchtend.
Baishao — die weiße Pfingstrosenwurzel — wird in der chinesischen Systematik fast immer gemeinsam mit Danggui genannt. Nicht als Zusatz. Als Partnerin.
Dr. Wei beschreibt es mit einem Bild, das ich seitdem nicht mehr vergessen habe:
Danggui geht hinaus und holt. Sie ist die Bewegende. Sie bringt etwas in Umlauf, das stehengeblieben ist.
Baishao hält die Tür. Sie ist die Bewahrende. Sie sorgt dafür, dass das Geholte nicht sofort wieder hinausfliegt — und dass die Tür nicht zuschlägt.
Eine bewegt. Eine hält. Zusammen ergeben sie etwas, das keine von beiden allein kann.
Und genau in dieser Paarung tauchen sie in den klassischen Rezepturen auf: im Si Wu Tang, dem „Vier-Substanzen-Dekokt", das seit dem 11. Jahrhundert in der offiziellen Rezeptursammlung der Song-Dynastie steht und bis heute als Grundrezeptur der Frauenheilkunde gilt. Und im Xiaoyao San — dem „Pulver des freien Wanderns" — das aus derselben Sammlung stammt und traditionell genau bei jenem Bild eingesetzt wird, das ich oben beschrieben habe: innere Anspannung, Reizbarkeit, Unruhe.
Diese beiden Wurzeln stehen seit tausend Jahren im selben Topf. Das ist keine Marketing-Idee. Das ist eine Überlieferung.
Das war der Teil, an dem ich gemerkt habe, dass hier jemand sehr genau ist.
Die beste Danggui Chinas kommt aus Minxian, einem Hochtal in der Provinz Gansu, auf über 2.000 Metern. Der Ort trägt seit Jahrhunderten den Beinamen „Heimat der Danggui". Es ist eine geschützte Herkunftsbezeichnung — vergleichbar damit, wie man in Europa mit Champagner oder Parmaschinken umgeht.
Und der Grund ist nicht Romantik, sondern Botanik: Die Wurzel braucht dort drei Jahre bis zur Ernte. Kurze Sommer, kalte Nächte, dünne Höhenluft. Die Pflanze wächst langsam — und lagert dabei ein, was sie in einer warmen Ebene in einem Jahr nie einlagern würde.
Geerntet wird einmal im Jahr. Im Herbst. Danach ist Schluss bis zum nächsten Herbst.
Und das heißt: Man kann das nicht einfach nachbestellen. Es gibt keinen Knopf, auf den jemand drückt, wenn eine Charge leer ist. Es gibt nur die nächste Ernte.
Ich schreibe das so ausführlich, weil es später noch wichtig wird. Aber dazu komme ich am Ende.
Das habe ich mich an dieser Stelle gefragt — und ich sage gleich dazu: Ich habe ihn nicht gefragt. Das hier ist kein Interview. Ich habe gelesen, was auf seiner Seite steht, und mir meinen eigenen Reim darauf gemacht.
Der Reim liegt allerdings ziemlich nahe.
Susanne hat ihn nach Hautpflege von innen gefragt. Aus einer Laune heraus, am Ende eines Termins, bei dem es eigentlich um Cremes ging.
Wenn eine Patientin das so beiläufig fragt, fragen es vermutlich alle.
Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Frage in einer dermatologischen Praxis seit Jahren zum Alltag gehört. Und dass es irgendwann nicht mehr reicht, immer nur abzuraten.
Und das fand ich am Ende aufschlussreicher als jede Firmengeschichte, weil es auf dem Etikett steht und ich es nachrechnen konnte.
Diese Dose muss in zwei Sprachen bestehen.
In der einen: zwei Wurzeln, die seit tausend Jahren zusammen genannt werden. In der anderen: zwei Nährstoffe, die man in Europa deklarieren, messen und amtlich beurteilen kann — nicht als Beiwerk, sondern in voller Dosierung.
Man hätte das billiger haben können. Eine Prise Magnesium und ein exotischer Name auf der Vorderseite hätten für die meisten gereicht. Hier ist beides ernst gemeint — und das ist eine Entscheidung, die Geld kostet und die auf dem Etikett nachprüfbar ist.
Das war für mich fast der überzeugendste Punkt, und es ist auch der, an dem ich als Journalistin aufgehört habe, weiterzusuchen.
Auf seiner Seite stehen Texte über Minxian. Über die Berge von Pan'an. Über ein Tal in Zhejiang, in dem eine fast ausgestorbene Wurzel wächst. Über Waldböden in Fusong. Das sind keine Produkttexte — es sind Reiseberichte von jemandem, der offensichtlich selbst dort war.
Man schreibt so nicht über Rohstoffe, die man bei einem Händler bestellt.
Ich bin bei aller Faszination Journalistin geblieben. Und Journalistin heißt: Ich will wissen, was auf dem Etikett steht und was davon belegt ist.
Deshalb fand ich es gut, dass in der Rezeptur nicht nur die zwei Wurzeln stecken, sondern auch zwei Dinge, die man in Europa messen, prüfen und amtlich beurteilen kann:
Nicht das billige Pyridoxin-HCl, das der Körper erst umbauen muss, sondern Pyridoxal-5-Phosphat — die Form, in der der Körper es tatsächlich verwendet.
1,4 mg pro Tagesdosis = 100 % des Referenzwertes. Nicht 20 %. Nicht „mit Vitamin B6". Voll.
Ich habe diesen ersten Satz mehrmals gelesen. Zur Regulierung der Hormontätigkeit. Der Satz steht wörtlich so im EU-Register der zugelassenen Angaben — geprüft, und man darf ihn nicht umformulieren. Auch nicht schöner machen.
Für eine Frau, deren gesamtes Problem darin besteht, dass ihre Hormontätigkeit sich gerade umstellt, ist das ziemlich genau der Satz, den man lesen möchte.
Nicht als Oxid (schlecht verwertbar), nicht als Citrat (bei mir: Durchfall nach vier Tagen). Sondern an Glycin gebunden — eine Form, die deutlich sanfter zum Darm ist. Ich sage das aus eigener, sehr konkreter Erfahrung.
75 mg elementares Magnesium pro Tagesdosis.
Vier Angaben. Alle geprüft. Alle genau in dem Bereich, in dem es bei mir brannte.
Ich hatte trotzdem noch ein Problem. Ein sehr deutsches Problem, glaube ich.
Ich nehme seit Jahren ein Schilddrüsenpräparat. Und ich hatte diese Sorge, die vermutlich jede Frau über fünfzig kennt: Ich nehme doch schon etwas. Ich will nicht anfangen, wahllos Sachen zu schlucken.
Und dann las ich bei Dr. Wei einen Gedanken, der das für mich vollständig aufgelöst hat:
Ein Nahrungsergänzungsmittel ist kein Medikament. Es ist eingekochtes Essen.
Er erklärt es so: Ein 5:1-Extrakt bedeutet, dass fünf Teile getrocknete Wurzel zu einem Teil Extrakt eingekocht wurden. In einer Kapsel steckt also das, wofür man sonst mehrere Löffel Wurzelpulver bräuchte.
In China ist das seit jeher Küche, nicht Apotheke. Danggui kommt in die Hühnersuppe. Man kocht sie mit, wenn eine Frau erschöpft ist, nach einer Geburt, im Winter. Es ist ein Gericht. Kein Rezept.
Und das ist der Punkt:
Es ist, als hättest du jeden Tag ein Gericht mehr auf dem Tisch. Eines, das du sonst nicht kochen würdest, weil dir die Zutaten fehlen und weil es acht Stunden köcheln müsste. Jemand hat es für dich eingekocht und in eine Kapsel gefüllt. Das ist alles.
Ein zusätzliches Gericht kollidiert nicht mit deinem Abendessen. Und es kollidiert nicht mit dem, was dein Arzt dir verschrieben hat. Es ersetzt auch nichts davon. Es kommt dazu.
(Und um es sauber zu sagen: Wer regelmäßig Medikamente einnimmt — insbesondere blutverdünnende — oder schwanger ist oder stillt, spricht das vorher mit dem Arzt ab. Das gilt für jedes pflanzliche Präparat, und es steht auch so auf der Dose.)
Das war mein nächster Gedanke, und ich habe es tatsächlich recherchiert. Danggui-Pulver bekommt man. Es ist nicht mal teuer.
Drei Dinge haben mich davon abgebracht.
Erstens die Menge. Ein 5:1-Extrakt heißt fünffach eingekocht. Um auf die Tagesmenge zu kommen, die in zwei Kapseln steckt, bräuchte ich entsprechend mehr Pulver — und müsste es sinnvollerweise auskochen, nicht einfach schlucken. Das ist eine Stunde Küche. Jeden Tag.
Zweitens das Verhältnis. Die beiden Wurzeln werden nicht zufällig zusammen genannt, sondern in einer bestimmten Relation zueinander. Die kann ich zu Hause nicht abwiegen, weil ich nicht weiß, wie stark das Pulver ist, das ich gekauft habe.
Drittens — und das war für mich das Argument: Bei losen Pflanzenpulvern aus dem Netz weiß ich nicht, woher sie kommen, wie alt sie sind und was sonst noch drin ist. Bei einer Charge, die in Deutschland abgefüllt und geprüft wird, weiß ich es.
Ich habe vierzehn Monate lang irgendwas gekauft, ohne zu wissen, was es tut. Das wollte ich nicht noch einmal.
Als ich das Produkt zum ersten Mal sah, dachte ich, der Name sei eine Marketing-Entscheidung. Kurz, merkbar, irgendwie edel.
Er ist etwas anderes.
Sieben. Für den Takt, in dem der Körper einer Frau seit zweitausend Jahren beschrieben wird. Für das siebte Sieben.
Der Name ist keine Behauptung darüber, was in der Dose ist. Er ist eine Aussage darüber, wo du gerade stehst.
Und ehrlich: Genau deshalb habe ich es bestellt. Nicht wegen einer Zutat. Sondern weil zum ersten Mal seit vierzehn Monaten jemand nicht gesagt hat „das geht vorbei", sondern: Ich weiß, an welcher Stelle du stehst.
Ich habe im Februar bestellt. Was ich bekommen habe, war die Charge davor — die aus der Ernte 2024. Gewartet habe ich knapp zwei Monate.
Ich fand das damals fast albern. Auf ein Nahrungsergänzungsmittel warten? Magnesium bekomme ich in jeder Drogerie in zehn Minuten, an jedem Werktag, so viel ich will.
Und genau deshalb hat das Magnesium aus der Drogerie bei mir ja auch nichts bewirkt.
Das ist mir erst später aufgefallen, aber seitdem lässt es mich nicht mehr los: Alles, was ich vorher probiert hatte, war jederzeit und überall verfügbar. Fabrikware. Immer auf Lager, immer im Angebot, immer drei Marken zur Auswahl.
Eine Wurzel, die drei Jahre auf 2.400 Metern wächst und einmal im Jahr aus dem Boden kommt, ist keine Fabrikware. Sie ist ein Feld. Und ein Feld liefert, wenn es fertig ist — nicht, wenn jemand bestellt.
Das ist unbequem. Es ist auch der Grund, warum es etwas anderes ist.
Und dann ist mir noch etwas aufgefallen, das ich fast komisch finde.
Dieser ganze Text handelt davon, dass mein Körper seinen eigenen Takt hat. Dass er sich nicht drängen lässt. Dass mein Fehler in diesen vierzehn Monaten nicht war, zu wenig zu tun — sondern zu erwarten, dass es schnell geht.
Und dann bestelle ich etwas, das genau dasselbe von mir verlangt.
Etwas gegen „es muss sofort gehen", das sofort lieferbar ist, wäre eigentlich ein Widerspruch.
Platz in dieser Charge reservieren →Minxian-Danggui · Herstellung in Deutschland · Versand in 6–8 WochenAuch die Stellen, an denen ich kurz davor war, es wegzustellen.
Absolut nichts. Zwei Kapseln morgens, wie beschrieben. Am fünften Tag habe ich meinem Mann gesagt, ich hätte wohl wieder Geld für nichts ausgegeben. Er hat nur gesagt: „Du hast es fünf Tage genommen, Bettina."
Er hatte recht. Ich hatte fünf Tage lang etwas genommen, um vierzehn Monate zu ändern.
Es war ein Donnerstag. Ich bin aufgewacht und es war halb sieben. Nicht 3:47. Halb sieben.
Ich habe im Bett gelegen und mich nicht getraut, mich zu freuen, weil ich dachte: Zufall. Kann jedem mal passieren.
In derselben Woche passierte es noch einmal.
Das Interessante war nicht, dass ich nie mehr wach wurde. Ich wurde immer noch wach. Aber es war anders.
Vorher: schlagartig wach, Herzrasen, feuchter Nacken, eine Stunde Küche.
Jetzt: kurz wach, umdrehen, wieder weg. Ohne dieses Brennen. Ohne dieses Aufgeschreckt-Sein.
Das klingt nach wenig. Für jemanden, der vierzehn Monate lang jede Nacht eine Stunde im Dunkeln in der Küche saß, ist es das Gegenteil von wenig.
Das ist bei mir immer so gewesen — ich merke Veränderungen an mir zuletzt.
Mein Mann sagte an einem Sonntag beim Frühstück, völlig beiläufig: „Du bist in letzter Zeit viel ruhiger." Nicht „müder". Ruhiger.
Und dann Susanne, am Telefon: „Du klingst wieder wie du."
Das Bemerkenswerteste am dritten Monat war, dass ich nicht mehr darüber nachdachte.
Ich stand nicht mehr um Viertel vor vier in der Küche. Ich verlor nicht mehr um halb fünf nachmittags die Geduld mit Menschen, die nichts falsch gemacht hatten. Ich hatte abends wieder Lust, etwas zu tun statt nur zu überstehen.
Nicht spektakulär. Einfach: wieder ich.
Das war im Frühjahr. Ich nehme es immer noch.
Mein persönlicher Verlauf. Wie jeder Mensch anders isst, schläft und lebt, kann das bei dir anders aussehen.
Weil mich das vor der Bestellung tatsächlich interessiert hat und nirgends stand:
Zwei Kapseln. Einmal am Tag. Ich nehme sie morgens mit dem Frühstück. Nicht, weil der Morgen besser wäre — sondern weil eine feste Uhrzeit der einzige Grund ist, warum man so etwas durchhält. Meine Dose steht neben der Kaffeemaschine. Das ist der ganze Trick.
Die Kapseln sind klein genug. Ich habe einen ausgeprägten Würgereflex und schlucke ungern große Tabletten. Das war bei mir nie ein Thema.
Der Geruch. Wenn man die Dose aufmacht, riecht es erdig, ein bisschen süßlich, ein bisschen nach Wurzel. Das ist Danggui. Ich fand es beim ersten Mal ungewohnt und mag es inzwischen — es riecht nach etwas, das gewachsen ist.
Was nicht drin ist. Die Kapselhülle ist HPMC — pflanzlich, also auch für Veganerinnen. Keine Zusatzstoffe, keine Trennmittel, keine Farbstoffe. Keine deklarationspflichtigen Allergene. Nach dem Öffnen ist die Dose sechs Monate haltbar — also genau eine Dose lang.
Und was nicht passiert ist, sage ich auch: kein flaues Gefühl im Magen, keine Unruhe, nichts, was ich am Tag gemerkt hätte. Es ist unauffällig. Genau so, wie ein zusätzliches Gericht am Tag unauffällig ist.
Ich habe das tatsächlich zusammengerechnet, weil ich es wissen wollte.
| Was ich vorher ausgegeben habe | Kosten |
|---|---|
| Magnesium-Brause (3 Packungen, dann abgesetzt) | ~ 24 € |
| Nachtkerzenöl-Kapseln | ~ 32 € |
| Rotklee-Präparat | ~ 28 € |
| Baldrian / Nacht-Tee | ~ 21 € |
| Schlaf-App Jahresabo | ~ 40 € |
| Gynäkologin privat, ausführliche Beratung | ~ 95 € |
| Zusammen — für „alle Werte in Ordnung" | ~ 240 € |
Zweihundertvierzig Euro für einen Küchenschrank voller Dosen, die nichts miteinander zu tun hatten, und einen Satz, der lautete: Das geht vorbei.
Was in diesen vierzehn Monaten sonst noch verloren ging, lässt sich nicht in Euro schreiben.
Vierhundert Nächte. Ein Mann, der irgendwann aufgehört hat zu fragen. Eine Tochter, die einmal sagte: „Mama, du bist in letzter Zeit immer so genervt." Und dieser leise, dauerhafte Verdacht, dass man vielleicht einfach kein besonders belastbarer Mensch ist.
29 € für einen Monat.
Das sind knapp 97 Cent am Tag — weniger als der Milchkaffee, den ich mir jeden Morgen auf dem Weg zur Redaktion hole, ohne je darüber nachzudenken.
Derselbe Preis steht auch auf drcomoi.de — es gibt keinen Anzeigenpreis und keinen Shoppreis.
Ich selbst habe nicht bei einer Dose angefangen, sondern bei mehreren. Der Grund steht weiter oben: In den ersten sieben Tagen ist bei mir nichts passiert. Wer nur eine Dose nimmt, hört genau in dem Moment auf, in dem es anfängt.
Es gibt 90 Tage Rückgaberecht. Auch bei geöffneter Dose. Ich habe das vorher extra nachgelesen, weil ich nach den vorherigen 240 Euro vorsichtig geworden war.
Das heißt praktisch: Du kannst es drei volle Monate nehmen — genau so lang wie eine ganze Kur — und wenn nichts passiert, schickst du es zurück. Du musst dich nicht früher entscheiden, als die Sache selbst braucht.
Das ist der Teil, über den ich am Anfang geschrieben habe, dass er später noch wichtig wird. Und ich muss ihn ehrlich sagen, auch wenn er unbequem ist:
Es gibt kein Regal, aus dem hier etwas genommen wird.
Was jetzt reserviert werden kann, stammt aus der Ernte des vergangenen Herbstes — und ist alles, was es bis zur nächsten Charge gibt. Versendet wird in sechs bis acht Wochen, sobald diese Charge abgefüllt und in Deutschland geprüft ist.
Das war meine erste Frage, und ich fand die Antwort am Ende beruhigender als alles andere.
Eine Wurzel kommt nicht aus der Erde und am nächsten Tag in eine Kapsel. Sie wird gewaschen, sortiert, geschnitten und getrocknet — ohne Schwefel. Schwefeln geht schnell und macht die Ware hell. Ohne Schwefel dauert das Trocknen deutlich länger, und die Wurzel bleibt dunkler. Danach wird extrahiert, in Deutschland abgefüllt und geprüft.
Vom Feld bis in die Dose vergehen Monate. Nicht, weil jemand trödelt, sondern weil das die Schritte sind.
Wenn dir jemand im selben Jahr die Ernte desselben Jahres anbietet, lohnt sich die Frage, welcher dieser Schritte dann kürzer war.
Ich weiß, wie das mit dem Warten klingt. Ich habe im Februar dieselbe Reaktion gehabt.
Es ist schlicht die Reihenfolge, in der Dinge passieren, wenn es eine Ernte im Jahr gibt: Die Wurzeln kommen im Herbst aus dem Boden. Sie werden getrocknet, geprüft, extrahiert, abgefüllt. Und die Menge, die dabei herauskommt, steht dann fest — für zwölf Monate.
Man könnte natürlich abwarten und später schauen, ob noch etwas da ist. Nur: Bis dahin ist die Charge verteilt. Susanne hat mir erzählt, dass ihr genau das schon passiert ist: Sie war beim Nachbestellen einmal zu spät dran und musste bis zur übernächsten Charge warten.
Ärgerlich wäre nur, wenn du dir jetzt vornimmst „mache ich später" — und dann steht da: nächste Ernte.
Was das praktisch heißt: Du reservierst heute. Der Betrag wird bei der Bestellung abgebucht — dafür ist dein Platz verbindlich reserviert. Versendet wird in sechs bis acht Wochen; du bekommst vorher eine Versandbestätigung. Die 90 Tage laufen ab dem Tag, an dem die Dose bei dir ankommt — nicht ab heute. Und solange nicht versendet ist, kannst du jederzeit formlos stornieren und bekommst den vollen Betrag zurück.
Ich bin nicht zu einem anderen Menschen geworden. Ich habe nicht plötzlich die Energie einer Vierzigjährigen. Wer dir so etwas verspricht, lügt.
Was passiert ist, ist unspektakulärer und für mich sehr viel wertvoller:
Ich habe aufgehört, gegen meinen eigenen Körper zu kämpfen.
Vierzehn Monate lang war mein Körper der Gegner. Etwas, das nicht funktionierte, das repariert werden musste, das mich im Stich ließ. Und niemand konnte mir sagen, was kaputt war — weil nichts kaputt war.
Ein zweitausend Jahre alter Text hat mir erklärt, was zwölf Laborwerte nicht konnten: Mein Körper steht in einer Umstellung, die im Takt der Sieben beschrieben wird. Das ist kein Defekt. Das ist ein Übergang. Und Übergänge kann man begleiten.
Mein Körper war nie kaputt. Er war pünktlich. Ich habe ihn nur vierzehn Monate lang dafür beschimpft.
Wenn du das hier liest und bei 3:47 Uhr genickt hast — dann bist du nicht empfindlich. Du bist nicht überkandidelt. Du stellst dich nicht an.
Und es ist völlig egal, ob du 46 bist und dir gesagt wird, dafür seist du zu jung. Oder 61 und dir wurde gesagt, das sei längst vorbei. Oder ob dir überhaupt noch nie jemand einen Namen dafür gegeben hat.
Die Werte sind in Ordnung. Du bist es nicht. Und das ist der Punkt, an dem es anfängt — nicht der, an dem es aufhört.
P.S. — Falls du oben weitergelesen und den Fragebogen übersprungen hast: Zwölf Fragen, zwei Minuten, fünf Zustände, kostet nichts. Bei mir kam Feuer heraus, und das war der Moment, an dem ich zum ersten Mal seit über einem Jahr das Gefühl hatte, dass jemand beschreibt, was ich fühle. Auch wenn du nichts bestellst — mach ihn einfach. Er erklärt eine Menge.
P.P.S. — An die Frau, die das hier um 3:47 Uhr auf dem Handy liest, weil sie sowieso wach ist: Ich weiß genau, wo du gerade sitzt. Ich habe da vierhundert Nächte gesessen. Es muss nicht so bleiben.
Wichtiger Hinweis: Sieben ist ein Nahrungsergänzungsmittel und kein Arzneimittel. Es ist nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu heilen, zu lindern oder ihnen vorzubeugen, und ersetzt keine ärztliche Behandlung, keine ausgewogene Ernährung und keine gesunde Lebensweise. Die empfohlene Tagesdosis darf nicht überschritten werden. Außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren. Bei bestehender Medikamenteneinnahme — insbesondere Blutgerinnungshemmern —, in der Schwangerschaft und Stillzeit vor der Einnahme ärztlichen Rat einholen.
Die geschilderten persönlichen Erfahrungen sind Einzelfallbeschreibungen. Ergebnisse können individuell abweichen.
Die im Text hervorgehobenen Angaben zu Vitamin B6 und Magnesium sind zugelassene gesundheitsbezogene Angaben gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 und beziehen sich ausschließlich auf die genannten Nährstoffe.
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