Fachbeitrag · Schlaf & Wechseljahre
Untersucht ist alles, die Werte sind in Ordnung. Und am Ende steht der Satz: In Ihrem Alter ist das normal. Es gibt eine andere Lesart dieser Nächte — sie fragt nicht nach Hormonen, sondern nach der Uhrzeit.
Es ist mitten in der Nacht. Und du bist wach.
Du warst eingeschlafen, gut sogar. Aber jetzt bist du wach. Die Uhr sagt kurz nach zwei.
Oder du liegst seit einer Stunde da und schläfst nicht ein. Der Kopf ist hellwach, dabei ist der Körper längst müde.
Oder du wachst auf, weil das Nachthemd klamm ist. Zehn Minuten später frierst du.
Welche der drei Nächte es auch ist — Liegenbleiben hat irgendwann keinen Sinn mehr. Und dann sitzt du eben eine Weile in der Küche.
Drei verschiedene Nächte — und derselbe Morgen. Du stehst auf und bist nicht ausgeruht. Der Tag fängt erschöpft an und bleibt es.
Untersucht ist das längst. Schilddrüse, Eisen, Blutbild, Vitamin D. Zwölf Werte, alle einwandfrei.
In der Schublade liegen Magnesium, Baldrian, vielleicht Rotklee. Einen Monat genommen, dann zurückgelegt.
„In Ihrem Alter ist das normal.“
Ein Satz, der stimmt und nichts nützt. Übersetzt heißt er: warten Sie es ab.
Und dazu gibt es eine Zahl.
Es gibt eine Untersuchung, die genau das gemessen hat, über einen sehr langen Zeitraum: 1.449 Frauen, begleitet über bis zu siebzehn Jahre.
Sieben Jahre. Das sind rund 2.700 Nächte.
Das ist keine Antwort. Das ist eine Wartezeit.
Zu mir kommen Frauen zunächst wegen der Haut. Mein Name ist Wei, ich bin Rezepturforscher bei Dr. Comoi — mein Arbeitsalltag ist die Frage, welcher Wirkstoff, in welcher Menge, und warum. Ich lebe seit zwanzig Jahren in Deutschland; gelernt habe ich ursprünglich chinesische Medizin.
Die Gespräche fangen bei der Hautpflege an und enden fast immer woanders. Beim Schlaf, der nicht mehr durchhält. Bei der Hitze. Bei der Stimmung, die kippt.
Und irgendwann kommt fast immer derselbe Satz: Ich hab schon so viel probiert.
Lange hatte ich darauf keine gute Antwort. Bis mir auffiel, dass ich diesen Satz in meiner eigenen Familie nie gehört hatte.
Meine Mutter, meine Großmutter und deren Nachbarinnen, alle in China. Wach nach Mitternacht, nachts durchgeschwitzt, morgens nicht ausgeruht — das kannte dort jede.
Nur wurde nie etwas daraus, das man behandelt. Kein Satz beim Arzt, keine angebrochene Dose in der Schublade, keine Frage, was man dagegen machen könnte.
Als Einziger in der Familie, der Medizin gelernt hat, fand ich das mit der Zeit immer merkwürdiger. Sind die Menschen dort andere?
Bevor ich das beantworten konnte, musste ich mir ansehen, was es hier überhaupt gibt. Was bekommt eine Frau in diesem Alter, wenn sie nachts nicht mehr durchschläft?
Beim Arzt die Hormontherapie. Sie wirkt, darüber streitet niemand ernsthaft. Nur hat The Lancet 2019 die weltweiten Daten dazu zusammengeführt — Beobachtungsstudien aus den Jahren 1992 bis 2018, insgesamt 108.647 Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind:
Deshalb steht in den Leitlinien heute: so niedrig dosiert wie möglich, so kurz wie möglich. Und deshalb fällt dieser Weg für viele Frauen von vornherein aus — wegen der Familiengeschichte, wegen einer Vorerkrankung, oder schlicht, weil sie es nicht will.
Wenn du bis hierher gelesen hast, gehörst du vermutlich dazu.
Bleibt das Regal in der Drogerie: Rotklee, Soja, Isoflavone. Rezeptfrei, nicht teuer, und es sieht aus wie der sanfte Gegenentwurf. Ist es aber nicht. Phytoöstrogene tun dasselbe wie eine Hormontherapie, nur sehr viel schwächer — sie ersetzen teilweise, was gerade weniger wird. Kein anderer Weg. Derselbe Weg in einer kleineren Dosis.
Cochrane, die Einrichtung, die weltweit Studien zusammenfasst und bewertet, hat genau diese Präparate ausgewertet:
Und trotzdem steht das Zeug in jeder Drogerie. Und trotzdem liegt in deiner Schublade eine angebrochene Dose davon.
Ich will hier nichts schlechtreden. Hormone haben ihren Platz, und für manche Frau sind sie genau das Richtige. Ich biete auch keinen Ersatz dafür an.
Aber beides — das Rezept und das Regal — zielt auf dasselbe: auf das Hormon. Stärker oder schwächer, verschreibungspflichtig oder nicht, es wird ersetzt, was weniger wird.
Den Begriff „Hormon“ gibt es seit 1905.
In den Arzneibüchern, aus denen ich gelernt habe, kommt er nicht vor; das älteste davon ist rund achtzehnhundert Jahre alt. Die Umstellung selbst gibt es dagegen, seit es Menschen gibt, und sie läuft in Gansu nicht anders ab als in Hamburg. Irgendjemand muss dort also etwas mit diesen Nächten gemacht haben — ohne den Begriff, ohne Präparat, ohne Ersatz für irgendetwas.
Ich habe angefangen, in den alten Texten nachzulesen. Was dort zu diesen Nächten steht, fängt nicht bei einem Stoff an. Es fängt bei einer Frage an.
Irgendwann habe ich aufgehört zu fragen, ob jemand schlecht schläft. Ich habe angefangen zu fragen: wann.
Beim Einschlafen? Mitten in der Nacht? Gegen Morgen?
Beim Arzt heißen alle drei gleich: Schlafstörung. Eine Diagnose, drei völlig verschiedene Nächte.
Die chinesische Medizin macht an dieser Stelle etwas anderes. Sie teilt den Tag in zwölf Abschnitte zu je zwei Stunden, und jeder Abschnitt gehört einem Funktionskreis. Das ist kein Symbolsystem, sondern eine Ordnung, die aus Beobachtung entstanden ist: Über Jahrhunderte wurde aufgeschrieben, wann was auftritt — und es wiederholte sich, Nacht für Nacht.
Wer um elf noch wach liegt und nicht einschläft, ist im Fenster der Gallenblase. Wer um zwei wach im Bett liegt und denkt, im Fenster der Leber. Und wer gegen vier durchgeschwitzt aufwacht, im Fenster der Lunge.
Das ist die Stelle, an der die meisten Frauen, mit denen ich darüber gesprochen habe, zum ersten Mal aufhorchen. Nicht weil es exotisch klingt. Sondern weil zum ersten Mal jemand einen Unterschied macht zwischen ihrer Nacht und der Nacht der Nachbarin.
Und weil daraus etwas folgt: Eine Rezeptur, die nach der Uhrzeit fragt, ist nicht für „die Wechseljahre“ gemacht. Sie ist für eine bestimmte Art von Nacht gemacht.
Die Nacht ist Ruhe. Sie ist die Zeit, in der sich sammelt, was tagsüber ausgegeben wurde — und in der etwas zurückkehren soll.
In den alten Texten stehen zu diesen Nächten nicht nur Uhrzeiten. Es stehen dort Dinge, die du sofort wiedererkennst, wenn sie dich betreffen:
Beschrieben ist das seit dem 3. Jahrhundert. Und ich höre es bis heute in der Sprechstunde, fast im Wortlaut.
Damit hatte ich endlich eine Frage, die zu diesen Nächten passt. Was ich nicht hatte, war das, was man dort damit macht. Dafür musste ich hin.
Also bin ich hingefahren. Nach Minxian, einem Landkreis in Gansu im Nordwesten Chinas — eines der wichtigsten Anbaugebiete für Heilkräuter überhaupt. Die Luft ist dünn, Herbst und Winter sind lang.
Geerntet haben Frauen in meinem Alter, Mitte fünfzig, und sie waren flinker als die Jungen. Sie steigen vor Sonnenaufgang hinauf und haben am Ende eines Tages mehr Weg hinter sich als ich.
Beim Warten habe ich ein paar von ihnen gefragt. Wachst du nachts auf? Ja. Wann? Meistens nach Mitternacht. Schwitzt du nachts? Manchmal.
Es ist dasselbe. Dieselben Jahre, dieselben Nächte, dieselbe Uhrzeit.
Aber dort behandelt das niemand als etwas, das man lösen muss.
Ich habe in Minxian keine einzige Dose Nahrungsergänzung gesehen. Nicht in den Häusern, nicht in den Regalen. Nicht, weil es sich niemand leisten könnte — es gibt diese Kategorie dort schlicht nicht. In der Apotheke im Ort stehen Medikamente, und die sind für Kranke.
Diese Frauen sind nicht krank.
Am Abend bin ich mit einer der Erntehelferinnen zu ihr nach Hause gegangen. Sie hat die frische Wurzel, die sie am selben Tag ausgegraben hatte, gewaschen und aufgeschnitten, ein paar Gewürze dazugegeben — und alles in einen Topf Hühnersuppe getan.
Als die Suppe auf den Tisch kam, hatte ich sofort den Geruch von früher in der Nase. So wie jedes Land seine eigene Würze hat, hat diese Wurzel diesen einen krautigen Ton, an dem man nicht vorbeikommt.
Und dort saß es dann auf dem Tisch: kein Mittel, kein Präparat, keine Kur. Ein Essen. Nur liegen für die, die es gerade brauchen, ein paar Wurzeln mit im Topf, die still ihre Arbeit tun.
Gegessen haben alle davon: die Kinder, ihr Mann, die Großmutter. Das geht, weil der Schlaf in dieser Lesart nie eine Frage der Hormone war — und damit auch keine Frage des Alters und keine des Geschlechts. Sondern eine Frage dessen, was der Körper nachts eigentlich tun soll.
Diesen Topf kann ich dir nicht ins Haus stellen. Was darin liegt, schon.
Danggui — auf den Dosen im Handel steht meist die westliche Schreibweise Dong Quai — und Baishao. Auf Deutsch: Chinesische Engelwurz und die Wurzel der weißen Pfingstrose.
Danggui ist in China kein beliebiges Kraut. In den klassischen Texten steht sie als das erste Mittel der Frauenheilkunde — nicht als eines von vielen. Sie taucht schon im ältesten erhaltenen Arzneibuch Chinas auf, etwa aus dem 2. Jahrhundert.
Nicht seit zehn Jahren. Nicht seit einer Studie. Seit etwa achtzehnhundert Jahren.
Und sie steht dort fast nie allein. Neben ihr steht Baishao — seit neunhundert Jahren, in denselben Rezepturen.
Das ist keine Metapher, die ich mir ausgedacht habe, sondern die Logik, nach der die chinesische Rezepturlehre gebaut ist: Ein Mittel bewegt, ein zweites hält dagegen. Ohne das Gegenstück wird aus Bewegung Unruhe.
Wir haben diese Rezeptur nicht erfunden. Wir haben sie nur nicht geändert.
Eine Pflanze war da ja auch drin. In dem Baldrian, im Rotklee, im Nachtkerzenöl. Trotzdem steht die Dose halb voll im Schrank.
Wenn in der Sprechstunde dieser Satz fällt — ich hab schon so viel probiert —, lasse ich mir aufzählen, was im Schrank steht. Es ist erstaunlich oft dieselbe Liste.
Rotklee und Soja in dieser Liste kennst du schon — die kleine Ausgabe der Hormontherapie. Bei den übrigen ist der Grund ein anderer.
Fünf, sechs Dosen, die nichts miteinander zu tun haben. Jede einzelne zielt auf ein Symptom. Keine einzige stellt die Frage, was dem Körper in dieser Zeit eigentlich fehlt.
Das ist der eine Grund. Der zweite steht auf der Rückseite.
Wenn dort steht Baldrianwurzel, gemahlen, 300 mg — dann sind das dreihundert Milligramm gemahlene Wurzel. Ein Drittel Gramm.
Zum Vergleich: In einem Baldriantee, wie ihn dir eine Apothekerin aufschreiben würde, stecken zwei bis drei Gramm. Das Zehnfache. In einer Tasse Tee.
Und wenn dort nur Extrakt steht, ohne eine Zahl daneben? Dann sagt dir die Dose nicht, wie viel Pflanze darin steckt. Sie kann alles bedeuten.
Die Zahl, die du suchst, sieht so aus: 5:1. Oder 10:1.
Sie sagt, wie viele Teile getrocknete Pflanze zu einem Teil Extrakt eingekocht wurden. Fünf zu eins heißt: In dem, was du schluckst, steckt die fünffache Menge Pflanze.
Steht diese Zahl nicht auf der Dose, ist das keine Nachlässigkeit im Druck.
Als ich anfing, mir die Präparate meiner Patientinnen genauer anzusehen, war das der Moment, in dem vieles zusammenfiel. Es lag selten daran, dass die Pflanze nichts kann. Es lag daran, dass fast nichts davon drin war.
Kaum jemand hier kann jeden Tag stundenlang neben einem Topf stehen — so gut er auch riecht. Also habe ich genau das gemacht, was in Minxian am Herd passiert, nur zu Ende: einkochen, bis es in eine Kapsel passt.
Der Unterschied ist derselbe wie zwischen Espresso und Americano. Dieselbe Bohne, dieselbe Menge — beim einen ist nur das Wasser noch dabei.
Oder nimm die Ingwer-Shots, die es seit ein, zwei Jahren in jedem Supermarkt gibt. Zwei, drei Euro, ein Schluck, und dir wird sofort warm. Weil in dem kleinen Fläschchen eine ganze Handvoll Ingwer steckt, stundenlang eingekocht. Ein paar frische Scheiben im Tee sind dieselbe Pflanze — nur bleibt es beim bisschen Scharf auf der Zunge.
Fünf Teile luftgetrocknete Wurzel, eingekocht auf zwei Kapseln. 5:1.
Das ist die Zahl, die du oben auf deinen eigenen Dosen gesucht hast. Bei uns steht sie vorn drauf. Als Pulver wären das mehrere Löffel; das Einkochen dauert Stunden, so wie am Herd.
Das Ganze heißt „SIEBEN“.
| Danggui-Extrakt | 200 mg · 5:1, fünffach eingekocht, aus Minxian |
| Baishao | 150 mg · Wurzel der weißen Pfingstrose, gemahlen |
| Magnesium | 75 mg · als Bisglycinat |
| Vitamin B6 | 1,4 mg · als P-5-P, 100 % des Referenzwertes |
| Kapselhülle | HPMC · pflanzlich, vegan |
| Zusatzstoffe / Allergene | keine |
Zwei Kapseln, einmal am Tag, am besten zum Frühstück. Nicht, weil der Morgen der bessere Zeitpunkt wäre — sondern weil eine feste Uhrzeit der einzige Grund ist, aus dem man so etwas über Wochen durchhält. Die Dose steht nicht im Schrank, sondern neben der Kaffeemaschine. Das ist der ganze Trick.
Und ab der zweiten Woche: Schreib einmal am Tag eine einzige Zahl auf — die Uhrzeit, zu der du wach geworden bist. Nach vier Wochen hast du eine Spalte. Ab da entscheidest du nicht mehr auf Verdacht.
Danggui braucht drei Jahre bis zur Reife und wird einmal im Jahr geerntet, im Herbst. Nach dem Trocknen, dem Aussortieren und der Laborprüfung bleibt gut die Hälfte auf der Strecke.
Aus tieferen Lagen gäbe es sie auch: billiger, ganzjährig verfügbar, nach einem Jahr erntereif. Drei Winter und ein Winter ergeben nicht dieselbe Wurzel. Genau dafür ist der Name Minxian in China seit Jahrhunderten etwas wert.
Bis heute sind aus dieser Charge 122 Dosen reserviert.
Das sind 97 Cent am Tag — oder 88 Cent am Tag, wenn du gleich drei nimmst. Einmalkauf. Kein Abo, keine automatische Verlängerung, nichts zu kündigen.
Versand ab Ende September · Ungeöffnete Dosen: 90 Tage Rückgabe
Versand ab Ende September · Ungeöffnete Dosen: 90 Tage Rückgabe
Wichtiger Hinweis: SIEBEN ist ein Nahrungsergänzungsmittel und kein Arzneimittel. Es ist nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu heilen, zu lindern oder ihnen vorzubeugen, und ersetzt keine ärztliche Behandlung, keine ausgewogene Ernährung und keine gesunde Lebensweise. Die empfohlene Tagesdosis darf nicht überschritten werden. Außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren. Bei bestehender Medikamenteneinnahme — insbesondere Blutgerinnungshemmern —, in der Schwangerschaft und Stillzeit vor der Einnahme ärztlichen Rat einholen.
Die Darstellungen zur chinesischen Medizin geben eine traditionelle Lehre wieder und sind keine medizinische Aussage über die Wirkung der enthaltenen Pflanzen.
Das 90-tägige Rückgaberecht ist eine freiwillige Leistung und gilt zusätzlich zum Widerrufsrecht aus der Widerrufsbelehrung. Es setzt voraus, dass die Ware ungeöffnet und versiegelt ist; bei Mehrfachpackungen gilt es für jede Einheit gesondert, erstattet wird der anteilige Kaufpreis je Dose. Die gesetzliche Mängelhaftung von zwei Jahren bleibt unberührt.
Die im Text hervorgehobenen Angaben zu Vitamin B6 und Magnesium sind zugelassene gesundheitsbezogene Angaben gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 und beziehen sich ausschließlich auf die genannten Nährstoffe.
Die drei im Text genannten Untersuchungen, dazu die Rubrik „Wissen“ von Dr. Comoi. Alles frei zugänglich, ohne Bestellung. Alle Links öffnen sich in einem neuen Tab — dieser Beitrag bleibt offen.