Schlaf & Wechseljahre
Ein Bericht aus meiner Sprechstunde: der Weg aus durchwachten Nächten — ohne Hormone, ohne Melatonin, ohne Schlaftabletten.
28. August 2026 · 7 Min. Lesezeit
02:14 Uhr. Wieder wach. In vier Stunden klingelt der Wecker. Der Kopf ist hellwach, der Körper ist es längst nicht. Liegenbleiben hat irgendwann keinen Sinn mehr — also sitzt man eine Weile in der Küche, bis es hell wird.
Diese Nacht wird mir in meiner Sprechstunde fast jede Woche beschrieben. Mein Name ist Wei, ich bin Rezepturforscher bei Dr. Comoi. Ich lebe seit zwanzig Jahren in Deutschland; gelernt habe ich ursprünglich chinesische Medizin.
Zu mir kommen Frauen zunächst wegen der Haut. Die Gespräche fangen bei der Hautpflege an und enden fast immer woanders: beim Schlaf, der nicht mehr durchhält.
Andrea, 54, war so ein Fall. Angefangen hatte es bei ihr zwei Jahre vorher — erst ab und zu, dann fast jede Nacht wach zwischen eins und drei. Der Morgen war dann immer derselbe: aufstehen und nicht ausgeruht sein. Konzentration im Büro mühsam, Geduld zu Hause aufgebraucht, bevor der Abend anfing.
Untersucht war längst alles. Schilddrüse, Eisen, Blutbild, Vitamin D — zwölf Werte, alle einwandfrei. Am Ende stand der Satz, den fast jede Frau in diesem Alter irgendwann hört:
„In Ihrem Alter ist das normal.“
Probiert hatte sie trotzdem einiges. Baldrian aus der Drogerie. Magnesium, weil es überall empfohlen wird. Eine Dose Rotklee, angebrochen, dann zurück in die Schublade. Jedes Mal einen Monat lang, jedes Mal ohne dass sich etwas geändert hätte.
„Gibt es wirklich nichts, das mich durch die Nacht bringt — ohne dass ich am Morgen wie gerädert aufwache?“
Wer damit zum Arzt geht, bekommt am Ende eine von drei Antworten. Und alle drei laufen auf dieselbe Idee hinaus.
Die Hormontherapie. Sie wirkt, darüber streitet niemand. Nur hat The Lancet 2019 die weltweiten Daten zusammengeführt: bei fünf Jahren Einnahme ab dem 50. Lebensjahr steht am Ende ein zusätzlicher Brustkrebsfall auf 50 Anwenderinnen. Deshalb heißt es in den Leitlinien heute: so niedrig dosiert wie möglich, so kurz wie möglich. Und deshalb fällt dieser Weg für viele Frauen von vornherein aus.
Das Regal in der Drogerie. Rotklee, Soja, Isoflavone. Sieht aus wie der sanfte Gegenentwurf — ist aber derselbe Weg in kleinerer Dosis. Phytoöstrogene ersetzen teilweise, was gerade weniger wird. Cochrane hat 43 Studien mit 4.084 Frauen ausgewertet und fand keinen überzeugenden Beleg, dass sie Hitzewallungen oder Nachtschweiß verringern.
Abwarten. „Das geht vorbei“ stimmt. Die Frage ist nur: wann. Eine Langzeituntersuchung an 1.449 Frauen kam auf einen Median von 7,4 Jahren — rund 2.700 Nächte.
Alles drei zielt auf dasselbe: auf das Hormon. Stärker oder schwächer, verschreibungspflichtig oder nicht — es wird ersetzt, was weniger wird.
Den Begriff „Hormon“ gibt es seit 1905. In den Arzneibüchern, aus denen ich gelernt habe, kommt er nicht vor — das älteste davon ist rund achtzehnhundert Jahre alt. Die Umstellung selbst gibt es dagegen, seit es Menschen gibt.
Trotzdem hat dort jemand etwas mit diesen Nächten gemacht. Und die erste Frage ist dort nicht, ob jemand schlecht schläft, sondern wann.
Beim Arzt heißen alle drei Fälle gleich — Schlafstörung. In der chinesischen Lesart sind es drei verschiedene Nächte, weil der Tag in Zwei-Stunden-Abschnitte geteilt ist und jeder Abschnitt einem Funktionskreis gehört:
Andreas Fenster war eins bis drei. Und daraus folgt etwas Praktisches: eine Rezeptur, die nach der Uhrzeit fragt, ist nicht für „die Wechseljahre“ gemacht. Sie ist für eine bestimmte Art von Nacht gemacht.
Für diese Nächte steht in den Quellen nicht eine lange Liste, sondern ein Paar.
Danggui. In den klassischen Texten das erste Mittel der Frauenheilkunde — nicht eines von vielen. Sie taucht schon im ältesten erhaltenen Arzneibuch Chinas auf, etwa aus dem 2. Jahrhundert. Nicht seit zehn Jahren, nicht seit einer Studie: seit rund achtzehnhundert Jahren. Der Name ist ein vollständiger Satz — 當歸, dāng guī, „sollte zurückkehren“. Genau das ist es, was in einer Nacht geschehen soll.
Baishao, die Wurzel der weißen Pfingstrose, steht seit neunhundert Jahren daneben, in denselben Rezepturen. Immer als Paar: Danggui geht hinaus und holt. Baishao hält die Tür.
Wir haben diese Rezeptur nicht erfunden. Wir haben sie nur nicht geändert.
Daraus ist SIEBEN geworden.
Dreh eine der Dosen in deinem Schrank um. Steht dort Baldrianwurzel, gemahlen, 300 mg, dann sind das dreihundert Milligramm gemahlene Wurzel — ein Drittel Gramm. In einem Baldriantee aus der Apotheke stecken zwei bis drei Gramm. Das Zehnfache. In einer Tasse Tee.
Die Zahl, die du suchst, sieht so aus: 5:1. Sie sagt, wie viele Teile getrocknete Pflanze auf einen Teil Extrakt eingekocht wurden. Steht auf einer Dose gar kein Verhältnis, ist meist gemahlenes Pulver drin — und dann sagt die Dose dir nicht, wie viel Pflanze du schluckst.
Bei uns steht die Zahl vorn drauf. Fünf Teile luftgetrocknete Wurzel, eingekocht auf zwei Kapseln. Das Einkochen dauert Stunden — so wie am Herd, nur zu Ende gebracht.
Meine Mutter und meine Großmutter haben von diesen Nächten nie gesprochen. Als Einziger in der Familie, der Medizin gelernt hat, fand ich das mit den Jahren immer merkwürdiger — und irgendwann bin ich hingefahren.
Nach Minxian, einem Landkreis im bergigen Nordwesten Chinas. Die Felder liegen dort auf zweitausendvierhundert Metern Höhe — höher als jeder Punkt im Schwarzwald. Die Luft ist dünn, der Winter dauert ein halbes Jahr, und geerntet wird einmal im Jahr, von Hand.
Für Danggui ist dieser Name in China ungefähr das, was für einen Wein die Lage ist: Steht Minxian drauf, weiß man, woher die Wurzel kommt und unter welchen Bedingungen sie gewachsen ist.
Geerntet haben Frauen in meinem Alter, Mitte fünfzig, und sie waren flinker als die Jungen. Sie steigen vor Sonnenaufgang hinauf und haben am Ende eines Tages mehr Weg hinter sich als ich.
Beim Warten habe ich ein paar von ihnen gefragt. Wachst du nachts auf? Ja. Wann? Meistens nach Mitternacht. Schwitzt du nachts? Manchmal.
Es ist dasselbe: dieselben Jahre, dieselben Nächte, dieselbe Uhrzeit.
Nur behandelt es dort niemand als etwas, das man lösen muss.
Ich habe in Minxian keine einzige Dose Nahrungsergänzung gesehen. Nicht in den Häusern, nicht in den Regalen. Nicht, weil es sich niemand leisten könnte — es gibt diese Kategorie dort schlicht nicht. In der Apotheke im Ort stehen Medikamente, und die sind für Kranke.
Diese Frauen sind nicht krank.
Am Abend bin ich mit einer der Erntehelferinnen zu ihr nach Hause gegangen. Sie hat die frische Wurzel, die sie am selben Tag ausgegraben hatte, gewaschen und aufgeschnitten, ein paar Gewürze dazugegeben — und alles in einen Topf Hühnersuppe getan.
Als die Suppe auf den Tisch kam, hatte ich sofort den Geruch von früher in der Nase. So wie jedes Land seine eigene Würze hat, hat diese Wurzel diesen einen krautigen Ton, an dem man nicht vorbeikommt.
Und dort saß es dann auf dem Tisch: kein Mittel, kein Präparat, keine Kur. Ein Essen. Nur liegen für die, die es gerade brauchen, ein paar Wurzeln mit im Topf.
Gegessen haben alle davon — die Kinder, ihr Mann, die Großmutter. Das geht, weil der Schlaf in dieser Lesart nie eine Frage der Hormone war und damit auch keine Frage des Alters und keine des Geschlechts.
Diesen Topf kann ich dir nicht ins Haus stellen. Was darin liegt, schon.
Zwei Kapseln, einmal am Tag, am besten zum Frühstück. Nicht weil der Morgen der bessere Zeitpunkt wäre, sondern weil eine feste Uhrzeit der einzige Grund ist, aus dem man so etwas über Wochen durchhält.
Nicht für jede Frau in den Wechseljahren. Sondern für die, auf die Folgendes zutrifft:
Ab der zweiten Woche: Schreib einmal am Tag eine einzige Zahl auf — die Uhrzeit, zu der du wach geworden bist. Nach vier Wochen hast du eine Spalte.
Danggui braucht drei Jahre bis zur Reife und wird einmal im Jahr geerntet, im Herbst. Nach dem Trocknen, dem Aussortieren und der Laborprüfung bleibt gut die Hälfte auf der Strecke — in einem schlechten Jahr mehr. Aus tiefer gelegenen Gegenden gäbe es sie billiger und das ganze Jahr über — dort ist sie schon nach einem Jahr erntereif. Drei Winter und ein Winter ergeben aber nicht dieselbe Wurzel.
Aus dieser Charge sind bis heute 122 Dosen reserviert.
Schau, was aus dieser Charge noch verfügbar ist — Zusammensetzung, Preise und Versand stehen dort vollständig.
Wichtiger Hinweis: SIEBEN ist ein Nahrungsergänzungsmittel und kein Arzneimittel. Es ist nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu heilen, zu lindern oder ihnen vorzubeugen, und ersetzt keine ärztliche Behandlung, keine ausgewogene Ernährung und keine gesunde Lebensweise. Die empfohlene Tagesdosis darf nicht überschritten werden. Außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren. Bei bestehender Medikamenteneinnahme — insbesondere Blutgerinnungshemmern —, in der Schwangerschaft und Stillzeit vor der Einnahme ärztlichen Rat einholen.
Die Darstellungen zur chinesischen Medizin geben eine traditionelle Lehre wieder und sind keine medizinische Aussage über die Wirkung der enthaltenen Pflanzen.
Die im Text hervorgehobenen Angaben zu Vitamin B6 und Magnesium sind zugelassene gesundheitsbezogene Angaben gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 und beziehen sich ausschließlich auf die genannten Nährstoffe.
Quellen: Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer, The Lancet 2019 · Cochrane Database of Systematic Reviews, CD001395 · SWAN, JAMA Internal Medicine 2015.